Otto

 

OTTO 25: Eine Mischung aus Bericht und Rückblick in Stichworten

Das traditionell schöne an OTTO ist, daß es immer so schön ist.
Das war es auch im Jubiläumsjahr 2025!

Der Standort: Osterodes Innenstadt, mittlerweile auch von Leerstand gezeichnet, bietet, wenn der Marktplatz voller Menschen ist, immer noch eine passende Kulisse für die Oldtimer. Wie übrigens die „Belebung“ eine Stadt attraktiv macht. Nicht nur vorhandene Einkaufsmöglichkeiten oder neues Pflaster! Diesmal waren es über 400 PKW und Motorräder, die schon am frühen Morgen den Weg zu uns fanden.

Das Wetter: Leugner des Klimawandels finden in OTTO die Bestätigung, daß sich eigentlich nichts ändert. In 25 Jahren nur einmal Regen. Mittlerweile werden Sportveranstaltungen, Hochzeiten, Ausflüge, Außenveranstaltungen im Umkreis Osterodes auf das OTTO Wochenende verlegt, weil man sich dann des Sonnenscheins sicher sein kann. Ähnlich wie die „Eisheiligen“ oder die „kalte Sophie“ wird das „OTTO-Hoch“ in der Metereologie als Wettersonderphänomen behandelt. In die Liste der Bauernregeln „Willst im September feiern noch, dann warte auf das OTTO-Hoch“ hat es leider noch nicht gereicht.

Die Aussteller: Es herrscht immer noch das Vorurteil, daß Oldtimerbesitzer wohlhabend sein müssen. Ja, das mag für Mitglieder elitärer Clubs, die sich mit Sindelfinger oder Zuffenhausener Erzeugnissen der Zustandsnote 1 schmücken  zutreffen. Bei OTTO sieht man in der Mehrzahl „ganz normale“ Fahrzeuge, so wie sie sich vor 30 Jahren oder früher auf unseren Straßen fanden. Seit Anbeginn dabei ist die „kleine Göttinger Oldierunde, die treuesten der Treuen. Besucher aus allen Teilen Deutschlands muten sich und ihrem Fahrzeug lange Fahrten zu, nur um bei OTTO dabeizusein.
„Den hatten wir auch mal“ ist die einleitende Bemerkung, wenn man mit einem Oldtimer ins Gespräch kommen will.  Das verbindet und macht den Besitzer noch geneigter, die Geschichte des Fahrzeugs zu erzählen.  Besitzerstolz macht ja die meisten redselig. Die Fahrzeuge waren einmal Lebensabschnittsgefährt, Begleiter, mit ihnen ist man sozusagen durchs Leben gefahren. Daher wecken Oldtimer meist positive Erinnerungen an bessere, weil jüngere Zeiten. Man kann annehmen, daß das der psychologische Hintergrund für die ungebrochene Attraktivität von Oldtimerausstellungen ist, obwohl praktisch an jedem Wochenende irgendwo in Deutschland ähnliches angeboten wird.

Die Fahrzeuge: Alles, was es so gab und gibt. Alle Marken, nur noch keine Chinesen! Natürlich sieht man auch jede Menge Käfer, 1er Golfs und erst 20 jährige. Aber auch Honeckers Staatskarosse, Rudolf Augstein Chevrolet, Dixies, Ford T-Modelle, formschöne Citröne, BMW Barockengel, auch als Cabrio! ..und nicht zuletzt hellelfenbeinerne Schmuckstücke! André veranstaltet neben OTTO ja auch noch ein Taxitreffen.

Die Tombola:
Keine Wohltätigkeitsveranstaltung ohne Tombola. OTTO hätte das zwar nicht nötig, weil OTTO ja als solches schon wohl tut, aber die OTTO-Tombola ist schon eine Besonderheit: Erstens, weil jedes Los gewinnt, zweitens weil die Lose 24 Jahre 2€ kosteten, nur im Jahre 2000  2 DM und dieses Jahr 2,50€ und drittens weil bei den Preisen der Anteil Nutzloses unter 10% liegt. Eine Weltreise oder ein Oldtimer waren auch dieses Jahr nicht dabei, aber bei 1300 Losen Freiflüge über Osterode und eine Heißluftfritteuse. Viertens weil die Einnahmen daraus der Opferhilfsorganisation WEISSER RING und dem Hospiverein Osterode zugutekommen. Mehr als 40.000 € im Laufe der Jahre!

Die Spender:
OTTO finanziert sich durch Spenden. Die Osteroder Geschäftswelt teilt sich in Spender, Nichtspender und Manchmalspender. Die Spender wiederum variieren zwischen Großzügig und Knickrig. Stellvertretend für alle die seit 25 Jahren gern, reichlich und liebevoll verpackt spenden, sei das „Storchennest“ genannt. Die jährliche Spendenkollekte gehört zu den „aufregenden“ Teilen der Vorbereitungsarbeit.  Störrische Geber, die einen dann auch noch für 2 Kugelschreiber mehrmals antanzen lassen, habe ich besonders ins Herz geschlossen.
Manche der Spenden sind Tauschgeschäft. Für OTTO ist es Einnahme aus Zurverfügungstellung von Stellplatz, für den Ladenbesitzer oder Gastronomen sind es Betriebsausgaben.

Die Stadt:
Ohne die Stadt geht’s nicht. Eine Oldtimerveranstaltung im luftleeren Raum?  Eigentlich ist hier aber die Stadtverwaltung gemeint. Man stelle sich vor, zwei Leute, nennen wir sie Hans Scheidemann und André Kuhlo werden im Fachbereich Ordnung vorstellig und haben die Idee, einmal im Jahr an einem Sonntag den Kornmarkt mit alten Autos vollzustellen und dieses Ereignis mit dem originellen Namen OTTO zu bewerben. Würde das heute noch „genehmigt“? Ich bin im Zweifel! Aber in der Osteroder Stadtverwaltung ist und war man sich bewußt, daß die Stadt belebt bleiben soll…und das mit friedvollen, fast möchte man sagen, harmlosen Veranstaltungen, für Jung und Alt. OTTO gehört dazu.  Ohne die aktive und wohlwollende Unterstützung der Stadt ginge es nicht. Dafür sei an dieser Stelle gedankt.

Das Team:  Eine Oldtimertreffen, das sich in einem Rahmen wie OTTO abspielt, kann nicht nur von ein oder zwei Mann durchgeführt werden. Zwar sind quasi 364 Tage Zeit für die Vorbereitungen, und vieles läßt sich vom Schreibtisch aus oder in Einzelaktionen erledigen, aber an besagtem Sonntag geht’s ums Ganze und dazu bedarf es vieler williger und helfender Hände. Das OTTO-Team ist dann ein bunter Haufen von in der Mehrzahl altgedienter Gründungsmitglieder ergänzt durch Neuzugänge. Ihre Arbeit ist unverzichtbar!  Wer sich angesprochen fühlt mitzuwirken, bitte melden!

Die Rezeptionisten: Also einfach so auf den Kornmarkt fahren, das geht nicht! OTTO will schon wissen wer und was woher kommt. Daher werden den anfahrenden Gästen durch ein freundliches Gesicht (seit Jahren das von Karl-Heinz Steinmann) Formulare ausgehändigt, in denen sie sich und ihr Fahrzeug vorstellen mögen. Dabei wird auch eine Identifikationsnummer vergeben, die der Organisation ermöglicht, in denkbaren Fällen den Besitzer zu erreichen.

Die Einweiser: Oldtimerbesitzer haben die Angewohnheit, sich immer auf den schönsten, prominentesten Platz stellen zu wollen, nicht zu sonnig, nicht zu schattig, zentral und doch in der Nähe der Ausfahrt, zusammen mit befreundeten, d.h. markengleichen Oldtimern, Gastronomie und Toiletten in der Nähe und gleichzeitig grün markiert. Diesem verständlichen Wunsch kann aber nur begrenzt entsprochen werden. Sicherheit geht vor! Zwar gab es gottlob nur bei einem OTTO einen Zwischenfall, der einen Krankenwagen erfordert hat, aber für solche Eventualitäten sind Korridore vorzusehen. Um das zu gewährleisten sind Stellplätze markiert. Und auf diese Plätze muss gewiesen werden von sogenannten Einweisern. Diese müssen eine gewisse Autorität ausstrahlen („freundlich aber bestimmt“), denn manchmal geht die Platzvergabe nicht ohne Diskussion vonstatten. Diese Kollegen sind den ganzen Tag auf den Beinen, denn bei OTTO herrscht Kommen und Gehen. Manche Oldtimerbesitzer befahren zwei Veranstaltungen pro Sonntag!

Die Zentrale:

Keine Organisation ohne Zentrale. Dort werden die ausgefüllten Meldezettel gesammelt, die Statistik geführt und die traditionelle Anstecknadel ausgehändigt. Die Zentrale, besetzt durch freundliche Frauen, ist auch die Anlaufstelle für alle Fragen rund um OTTO und verkauft OTTO-Märchendizing, wie Plakate, Becher und Pins der Vorjahre. Bisher kein großes Geschäft!
Ein Laster von den Freunden des Einbecker PS-Speichers, gesteuert von Frank Heinz und seiner Tochter, stellt das Podest für die Eröffnungsrede des Bürgermeisters und allfällige Rundsprüche.

Das Team von der Tombola.

Das teilt sich in Losverkäufer und Preisausgeber. Beides keine leichte Aufgabe. Der Losverkäufer muß das 1 x 2 bzw seit 2025 das 1 x 2,50 beherrschen und das ohne Taschenrechner. Gleichzeitig muß er darauf achten, daß nicht mehr Lose aus dem Töpfchen gezogen werden als bezahlt wurden. Kleine klebrige Kinderfinger stellen dieszbezüglich eine besondere Gefahr dar. Er muss außerdem in der Lage sein, auch losunwilligen Besuchern wenigsten ein Los erfolgreich anzu….sagen wir mal „bieten“. Da die meisten wissen, daß die Tombola einem guten Zweck dient, ist das nicht allzu schwer.

Die Preisausgeber brauchen andere Qualitäten. Erstens haben die es häufig mit einem Ansturm von Gewinnern zu tun und müssen daher fix sein. Gleichzeitig müssen sie aber darauf achten, daß Losnummer und Preisnummer übereinstimmen. Bei nicht einzeln nummerierten Gruppenpreisen soll der Preis altersgemäß sein (kein Schraubenschlüsselsatz für ein Kleinkind) und nicht immer gleichartiges (10 Kugelschreiber).
Freude mit den Glücklichen teilen, Trost den Enttäuschten geben und Ruhe und Gelassenheit bei den Unverschämten beizubehalten, ist keine leichte Aufgabe.

Der Aussichtsbus: Seit drei Jahren ist ein oben offener alter MAN Doppeldecker DIE Attraktion und für einige Besucher der einzige Grund mit und bei OTTO den Sonntag zu verbringen. So kann man aus luftiger Höhe Osterode kennenlernen, wird vom Fahrer bei passender Musik und munteren Sprüchen bestens unterhalten und wundert sich, daß der Bus im Kreisverkehrt nicht umgekippt ist.
Auch dieses Jahr war jede Fahrt voll besetzt. Im öffentlichen Nahverkehr eine Seltenheit!

Schluß: Wenn es am schönsten ist, soll man ja bekanntlich aufhören. Das gilt vielleicht sonst im Leben, nicht bei OTTO! Wir machen weiter!

Daher im Kalender Sonntag, den 6. September rot markieren! Da ist OTTO 26  !

Wir sehen uns!

Euer Stefan Kull